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...

Restless Objects
Text für das Training während der laufenden rituellen Probe für einen möglichen Akt der Entleerung des Museums vom
Erbe.


[Im Ausstellungsraum]:
Whitening – komplett
(vollständig/erledigt/abgeschlossen…)
Reinigung – abgeschlossen
Registrierung – erledigt
Restaurierung – abgeschlossen
Fotografien – vollständig
Vermessung – komplett
Verpacken – erledigt
Protokoll – abgeschlossen

—- —-

[am Ende des Rituals (am Ausgang)]:
Sowie Blacks, Indigenous and People of Color
seit Jahrzehnten darum gebeten haben,
lassen wir euch jetzt frei
eins nach dem anderen.


Für das Finden der richtigen Bewegung
ist Wiederholung erforderlich.
Dies ist eine notwendige Übung
für eine unmittelbar bevorstehende Aktion.
Wir bereiten uns vor,
trainieren unseren Körper und Geist.


Der Lauf der Geschichte
erfordert Übung.
Der Lauf der Geschichte
muss sich seinen Weg bahnen
in unseren Körper und unser Gedächtnis.
Der Lauf der Geschichte
erinnert uns daran
dass Sammlungen schon zuvor in Bewegung waren,
dass Museen schon zuvor geleert wurden.


Das Berliner Stadtschloss
schluckt immer weiter
in seinen weißen, leeren Bauch
neue Körper und Objekte.
Bis heute wurden bereits
rund 3.000 Objekte
von etwa 10.000
aus dem Haus in den Palast gebracht.
Dies ist eine Generalprobe
für die Leerung der Ausstellungsräume.
Dies ist eine Probe für die
die Freilassung/Versendung von


mitgenommenen Objekten.


Wir alle sind Teil dieser Ausbildung,
Museumsmitarbeiter*innen,
Vorstandsmitglieder, Förder*innen und
Besucher*innen,
Wir üben Möglichkeiten der Räumung des
Forums
der Entlassung seiner Mieter.
Wir lassen zu, dass Verfall und Zersetzung
außerhalb schriftlicher Protokolle existieren.
Wir üben uns in der Konfrontation mit leeren
Vitrinen.


In der Leere verbleiben
lernen, wer wir sind
was getan werden könnte
ohne konfiszierte Körper.


Wir üben uns darin ihre Reise nicht zu
diktieren.
Indem wir aufhören zu erhalten/konservieren,
entlassen wir diese Körper ins Ungewisse.

 

Restless Objects, Hagar Ophir, Oct 2021, translated from English by: Helena Hentschel.

04.12.2021 #packingmaterial
04.11.2021
05.10.2021

‚Restless Objects‘ ist eine rituelle Probe für einen möglichen Akt der Entleerung des Museums von seinem Erbe.

Konzept

Parallel zu dem langwierigen und komplexen Vorgang des Transfers von Artefakten aus der Sammlung des Ethnologischen Museums Berlin in das Humboldt Forum finden Proben für eine Gegenmaßnahme statt. Die Öffentlichkeit ist eingeladen, mitzuerleben, wie Mitglieder des Restaurierungsteams und Kunstsachbearbeiter*innen der Institution das Ausräumen der Vitrinen in den neuen Ausstellungsräumen im Berliner Schloss proben. Die Arbeit berührt die Komplexität der Ausstellung ethnologischer Sammlungen in europäischen Institutionen und im Humboldt Forum im Besonderen und soll deutlich machen, dass die Zukunft der Objekte in der Sammlung fragwürdig und noch nicht geklärt ist.

 

Recherchefragen

Wie werden hochwertige Artefakte von einem Ausstellungsraum zum anderen gebracht und welche institutionellen Hintergrundstrukturen bringt dieses Verfahren an die Oberfläche?
Auf welche Art und Weise werden durch das ständige Verschieben von geplünderten Sammlungen imperiale Machtstrukturen ausgeführt/reproduziert, und welche anderen Handlungen können diese Vorgänge/Reinszenierungen durchbrechen?
Was passiert, wenn die Kunstverwalter*innen/Sachbearbeiter*innen neu choreografiert werden, und welche Proben und Aktionen sollten wir für eine mögliche Entleerung der Museumsräume durchführen?

Hagar Ophir

ist eine in Jerusalem geborene, in Berlin lebende Künstlerin – ausgebildet als Historikerin, Bühnenbildnerin und Tänzerin. In ihren Arbeiten etabliert Ophir Geschichte als einen Raum für Aktionen und die Vorstellung möglicher Präsentationen jenseits von Zeitgrenzen, Nationalstaaten und Ideologien. Sie arbeitet oft kollaborativ, um durch Kunst- und Bildungsprojekte Wissen zu schaffen. Derzeit arbeitet sie an ihrer kommenden Einzelausstellung Bundled With The Living (SOMA, Berlin, Frühjahr 2023). Ihre Arbeiten als unabhängige Künstlerin und Mitglied von Public Movement (2008-2019) wurden weltweit aufgeführt und gezeigt, darunter im HAU, Berlin, Guggenheim Museum, NY, Asian Art Biennial Taipei, Santarcangelo Festival, Fundació Antoni Tàpies Barcelona. Ihre jüngsten Arbeiten „Recalling History I“, ein performativer Eingriff in die Wissensproduktion (im Rahmen von „Errata“ von Ariella Aïsha Azoulay, Fundació Tàpies, Barcelona), und „It Is Only Through Your Thoughts That I Can Remember Who I Am“ (in Zusammenarbeit mit Hakim Bishara), Vågestykke KORO-projec, Kunsthall 3.14 Bergen, Norwegen. Hagar entwirft Kostüme für Künstler*innen wie Yael Bartana und Rima Najdi. Im Jahr 2020 gründete Hagar zusammen mit fünf Künstler*innen und Lehrer*innen das in Berlin ansässige Kollektiv mitkollektiv und ist Co-Leiterin des Kunst- und Bildungsprojekts Reimagine Jetzt! (gefördert von der PFCB 2020-2021).

Dana Yahalomi

Dramaturgie & künstlerische Beratung

Itamar Gov

Recherche

Johanna Kapp

Museologin/Sammlungsmanagement

Maike Voelkel

Konservatorin

Christian H. Cordes

Vitrinentechnik

Diana Sirianni

Art handling

Ghaith Hanki

Fahrer