Eine Tanzperformance mit jungen Berliner Tänzerinnen und Tänzern mit unterschiedlichem urbanen Tanzhintergrund, angeleitet von Joy Alpuerto Ritter und Lukas Steltner. Perspektiven, Erfahrungen und Gedanken junger Berlinerinnen und Berliner, die die Entstehung von Geschichte hinterfragen und eine Vision ihrer eigenen Zukunft entwerfen.
Konzept
Man könnte sagen, dass die Wahrnehmung von Ereignissen, Individuen, ethnischen, kulturellen und sozialen Gruppen innerhalb eines kulturellen Kontexts, von der Art und Weise geprägt wird, wie Geschichte an uns weitergegeben wird, und wie wir Geschichte weitergeben.
Wer entscheidet über „Wahrheit“ und „Lüge“? Und wie wird das von Menschen wahrgenommen?
Gemeinsam mit unseren Teilnehmerinnen und Teilnehmern möchten wir die Bedeutung von Gesten und physischen Codes, welche in verschiedenen kulturellen Kontexten ihre Wurzeln haben, genauer untersuchen. Jene Bewegungen möchten wir re-kontextualisieren, indem wir ihnen Raum und Zeit für eine Transformation im Dialog mit den Körpern der Performerinnen und Performern bieten.
Als eine drittes Kernthema wollen wir Vorurteile einer normativen Gesellschaft in Frage stellen. Wer und was definiert „die Norm“, was wird unter abweichendem Verhalten verstanden? Wie können wir die Norm verschieben? Die Präsens der sich bewegenden Körper allein erzählt bereits deren individuelle Geschichten. Außerdem repräsentieren sie ein vielseitiges und lebhaftes Berlin von heute.
Recherchefragen
Wer macht "Geschichte"?
Was bedeuten Gesten in verschiedenen kulturellen Kontexten und wie können sie dekontextualisiert werden?
Was und wer definiert "die Norm", was ist abweichendes Verhalten?
Performer*innen/ Teilnehmer*innen/ Stimmen
Mira Antonina Campo Jastrzębski, Maria Galina Junge, Lena Tatjana Mahlke, Nastasja Berezin, Anwen Sereina Ortiz, Hannah Juliane Steenbeck, Arnold Toko, Djamila Schäffer, Marike Eva Helena Sauer, Ann Francis Ang, Anas Allaham, Julian Emmerich

Joy Alpuerto Ritter - Regie und Choreografie
wurde in Los Angeles geboren und wuchs in Freiburg im Breisgau auf. In ihrer Jugend trainierte sie Ballet und Jazz (RAD – Royal Academy of Dancing) und lernte philippinische und polynesische Volkstänze in der kulturellen Tanzgruppe, welche ihre Mutter leitete. Im Jahr 2004 schloß Joy ihr Studium an der Palucca Schule in Dresden als diplomierte Bühnentänzerin ab. Im Anschluss arbeitete sie als freiberufliche Tänzerin mit Choreografen wie Akram Khan, Wangramirez, Christoph Winkler, Anja Kozik, Constanza Macras, Milan Gervais, Heike Hennig und Yui Kawaguchi. Unter dessen entdeckte sie ihre Leidenschaft für urbane Tänze wie Breakdance, Hip Hop/Newstyle oder Voguing. Seither ist sie in der urbanen Tanzszene innerhalb Berlins und Europas aktiv. 2011 schloss sie sich dem Cirque du Soleil für die Michael Jackson Immortal World Tour als Tänzerin und Aerial Artist an. 2016 wurde Joy als „outstanding female dancer“ (modern) in der Performance „Until the Lions“ von der Akram Khan Company im Rahmen des National Dance Awards UK nominiert. Mit ihrem Solo Stück „Babae“, verschaffte sich Joy Alpuerto Ritter international Gehör als Choreografin, und ist eine der Aerowaves Europe Artist 2020. Seither setzte sie ihre eigene choreografische Arbeit fort und hat als Choreografin und associate choreographer mit Akram Khan, Chen Shi-Zheng, Riz Ahmed, Ballett Black, Viviana Durante Company, Florence and the machine, sowie mit akademischen Institutionen in Österreich, Deutschland, Italien und China zusammengearbeitet.

Lukas Steltner - Regie und Choreografie
Durch seine Begeisterung für die Hip Hop Kultur begann Lukas Steltner im Jahr 2001 mit dem Breaking. Seine Tanzaktivität ist vielfältig und reicht vom Bereich des Tanztheaters (u.a. bei Heike Hennig & Co, Johann Kresnik, Hong Nguyen Thai), mit seiner Crew Topp Doggz im Varieté bis hin zu Showcases auf nationalen und internationalen Events. Außerdem ist Lukas Steltner als Schauspieler in verschiedenen Fernseh- und Kinoproduktionen tätig. In verschiedenen Projekten an der Schnittstelle zwischen urbanem und zeitgenössischem Tanz tanzte Lukas und führte Co-Coreographie („Teenage Widerstand“, Theater der jungen Welt Leipzig, Kalamata Dance Festival, „Shall We…!“). Gemeinsam mit Joy Alpuerto Ritter erarbeitete er das abendfüllende Stück „Heimkehr“, welches Ende 2019 im LOFFT Leipzig seine Premiere feierte. 2021 kreierte Lukas Steltner seine erste Solo Arbeit „Die Wende. Aufwachsen unter normalen Leuten“ (Dock11, Berlin). Als Tänzer, Schauspieler und Choreograf bewegt sich Lukas an den Schnittstellen von urbanem Tanz, Zeitgenössischem Tanz, Spiel, Theater und Film.

Elsa M'Bala aka A.M.E.T. - Soundkomposition
Die in Yaoundé geborene und derzeit in Berlin lebende Elsa M’Bala aka A.M.E.T. ist eine Klangkünstlerin, die Live-Podcasts als eine Mischung aus DJing und Live-Radio-Shows kreiert, in denen Feldaufnahmen und Interviews live mit einem Publikum geteilt werden. Sie trat international auf, unter anderem in der Akademie der Künste Berlin (DE), im Casino Luxembourg-Forum d’art contemporain (LUX), auf der Dak’Art Biennale (SEN) und in der Gessnerallee Zürich (CH). Sie drehte den Trailer für die Berlin Biennale 10. A.M.E.T.s musikalische Reise und ihre Reflexionen über Rasse, kulturellen Hintergrund, Geschlecht und Spiritualität stellen Vorurteile darüber in Frage, wie die Musik einer Person aufgrund ihrer Herkunft klingen sollte. Ihre Praxis bricht mit der westlichen klassischen Musik, indem sie grafische Partituren erstellt, die es ihr ermöglichen, Halbtöne einzubeziehen, wie es in nicht-westlicher Musik üblich ist. Durch den Einsatz von Technologie verstärkt sie ihre einzigartige Stimme und spricht Inklusions- und Sichtbarkeitsnarrative an. Ihre Arbeit ist auch von der Zusammenarbeit mit Musiker*innen, Tänzer*innen, Künstler*innen, Performer*innen und Macher*innen unterschiedlicher Backgrounds geprägt.